 Lage und Größe der St. Gertrud-Gemeinde
Die ev.-luth. Kirchengemeinde St. Gertrud liegt vor dem Burgtor Lübecks ganz in der Nähe des Stadtparks. Sie wurde im Jahre 1902 gegründet als Tochter der St. Jakobi- Kirchengemeinde. Zur Zeit zählt sie etwa 3000 Gemeindeglieder. Die St. Gertrud-Kirche wurde im Jahre 1909 erbaut. Sie bietet etwa 650 Besuchern Platz. Die Geschichte der St. Gertrud-Kirche Um die Jahrhundertwende waren die Vorstadtgebiete St. Gertrud und Marli stark gewachsen. Ihre evangelischen Bewohner gehörten der St. Jakobi-Kirchengemeinde an, die dadurch sehr groß geworden war. Für die Kirchenbesucher der Vorstädte wurde der Weg zum Gotteshaus immer weiter. Da entstand der Wunsch, eine eigene Kirchengemeinde zu errichten. Im Oktober 1899 erschien in den Lübecker Tageszeitungen ein Aufruf zu einer öffentlichen Sammlung für den Bau einer Kirche in St. Gertrud, die einen großen Erfolg in den nächsten Jahren hatte. Nach längeren Verhandlungen zwischen dem Kirchenrat, der Synode und dem Vorstand der St. Jakobi-Kirchengemeinde wurde am 4. April 1902 ein Kirchengesetz erlassen, das Bestimmungen über die Teilung der St. Jakobi-Kirchengemeinde und Bildung einer St. Gertrud-Kirchengemeinde betraf. Im Altarraum von St. Jakobi wählte man am 27. Mai 1902 den ersten Kirchenvorstand der neuen St. Gertrud-Gemeinde. St. Gertrud hieß die Vorstadt vor dem Burgtor schon sehr lange nach der nahe dem Burgtor gelegenen St. Gertrud-Kapelle, welche um 1350 erbaut war und später abgerissen wurde, um die Festungswerke zuverstärken. Die heilige St. Gertrud war die Schutzpatronin der Reisenden und Wanderer. Nach ihr bekam die neu gegründete Gemeinde den Namen und später auch die Kirche, welche gut 600 Besuchern Platz bieten konnte. Eine schwierige Frage war die Wahl des Bauplatzes der neuen Kirchen. Nach langen Überlegungen entschied man sich für das hügelige Gelände des alten Galgenbrooks (Heiligen-Geist-Kamp), das die Vorsteherschaft des Heiligen-Geist-Hospitals unentgeltlich abtrat. Ringsum waren noch Korn- und Kartoffelfelder. Auf der Höhe dieses Platzes sei es im Winter eiskalt, meinte des Pastor, und er befürchtete gesundheitliche Schäden für die Kirchenbesucher und die Bewohner des Pastorats. Wie aber sollte die neue Kirche aussehen, und wer sollte den Entwurf machen und die Bauausführung übernehmen? Die verantwortlichen Männer waren sich darin einig, bewußt eine evangelische Predigtkirche zu bauen und das Innere danach zu gestalten. Es sollte ein Gotteshaus werden, in dem sich die Gemeinde gleich heimisch fühlen könnte. Das ist dem Entwurf der Architekten Jürgensen und Bachmann aus Berlin gelungen, denen dann auch der Auftrag für den Kirchenbau erteilt wurde. Aber erst am 23. April 1909, als auch die Finanzierung sichergestellt war, konnte mit dem Bau der Kirche nebst Pfarrhaus und Konfirmandensaal begonnen werden. Am 12. Juni versammelten sich die Kirchenvorsteher auf dem Bauplatz, um eine Kapsel in die Grundmauer des Turmes einmauern zu lassen. Sie enthält eine Urkunde über die Vorgeschichte und Beschreibung des Baues, Zeichnungen und Grundrisse, Geldmünzen mit dem lübeckischen Wappen und Tageszeitungen. Von der hiesigen Glockenfirma M. & O. Ohlson, die heute nicht mehr existiert, wurden die für die Kirche bestimmten 3 Glocken gegossen, die, alter kirchlicher Sitte gemäß, einen Namen erhielten: Luther- Melanchthon- und Bugenhagen- Glocke. Ihr Rand war mit sinnvollen Inschriften geschmückt, und sie waren auch mit dem Namen ihrer Stifterin "Lienhöft" und des Glockengießers versehen. Auch Kanzel, Altar, Kruzifix und Orgel waren der Kirche von wohlhabenden Gemeindegliedern geschenkt worden. In einem Festgottesdienst wurde am 26. Juni 1910, dem 5. Sonntag nach Trinitatis, das fertiggestellte Gotteshaus St. Gertrud feierlich geweiht und dem Gebrauche übergeben. Pastor D. Evers, der spätere Senior, hielt die Predigt über Hebräer 13,8: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit."
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges wurde im August 1921 unter der Orgelempore der Kirche eine würdige Gedenkhalle für die Gefallenen der Gemeinde geschaffen.
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges erlitt unser Gotteshaus durch einen zufälligen Bombenwurf stärkeren Schaden, der die Fenster an der West- und Nordseite mit ihren Glasmalereien vernichtete.
|