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Joh. Brahms Ein Deutsches Requiem in St. Gertrud unter der Leitung von Peter Wolff sorgte für ein ausverkauftes Gotteshaus
Eingestellt am: 13.11.2011

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Grußwort v. Pastor Dr. Herbert Patzelt

Grußwort von Dr. Herbert Patzelt 

1966 - 1988 Pastor in St. Gertrud

 

Zum 100jährigen Bestehen der evangelisch-lutherischen St. Gertrud-Gemeinde grüße ich Sie sehr herzlich und wünsche der Gemeinde, dass sie auch weiterhin vom Segen Gottes begleitet sein möge. Sie kann voller Stolz auf ihre Vergangenheit zurückblicken. 100 Jahre sind eine lange Zeit im menschlichen Leben. Stillstand und Bewegung wechseln einander ab. Im Gesicht bewahren sich die Erfahrungen von Freude und Leid; jede Veränderung hinterlässt ihre Spur.

Bei einer Kirchengemeinde ist aber der Zyklus des Lebens anders: Je älter eine Kirche wird, in der sich im Laufe der Jahre Mitglieder und Pastoren ändern, desto jugendlicher und lebendiger müsste sie sein. Jede Kirchengemeinde ist immer ein Teil der protestantischen Kirchen Deutschlands und unterliegt dem Urteil, das sich die Menschen über die Kirche bilden. Sie sind mit ihren Pastoren die Vergegenwärtigung des christlichen Glaubens. Was immer der St. Gertrud-Kirchengemeinde an Aufmerksamkeit entgegengebracht wird an Erinnerungen, Gegenwart und Zukunft, es hält die Gemeinde lebendig. In diesem Sinne hundert Jahre ein schönes Alter.

Ereignisse und Geschichte St. Gertruds, Bedrängnisse und Verbindungen sind ein Stück der Geschichte der Hansestadt Lübeck. Dieses Merkmal ist ein Anspruch. Ihre Gemeindeglieder, vielfach der Vergangenheit verbunden, bürgerlich, bei aller Liberalität konservativ, ausgesucht. Sie war und ist dem Alten verpflichtet, dem Neuen gegenüber eher argwöhnisch und schwer zugänglich.

Als Christen fragen wir uns, was ist aus der St. Gertrud-Gemeinde geworden, was ist geblieben zwischen damals und jetzt, was sollte sich ändern? Um die Jahrhundertwende wie heute war die Zeit gekennzeichnet vom Wertewandel, Auflösungserscheinungen, neuen Vorbildern. Damals trat die Gemeinde auf als Spiegel bürgerlicher und liberaler Werte.

1966 war ich mit meiner Familie als der neue Pastor von St. Gertrud nach Lübeck gekommen. Zweiundzwanzig Jahre der Geschichte der Gemeinde haben wir miterlebt und mitgestaltet. Eine sehr eindrückliche Zeit ist es gewesen. In der Erinnerung haben viele Höhepunkte, Ereignisse, Begegnungen, Namen darin Platz gefunden. Es war nicht ungewöhnlich in der Gemeinde, dass sich meine Vorgänger in den Neigungen und Auslegungen des Evangeliums von denen des zweiten Bezirkes nach Herkunft und Begründung unterschieden. Die beiden Bezirke hatten eine unterschiedliche Stimmung. Wer aber Widerspruch ausblendet, beraubt sich der Möglichkeit, daran zu wachsen und eine eigene klare Lebensweisheit zu finden. Die zukünftigen Veränderungen werden nicht geringer sein als die der bewältigten hundert Jahre.

Für die Zukunft der Gemeinde mit ihren Herausforderungen und neuen Plänen wünsche ich Kraft, Einfallsreichtum und Erfolg.