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Mein musikalisches Leben in St. Gertrud

 

Mein musikalisches Leben in St. Gertrud
von Hilla Krüger

Als wir 1973 an die St. Gertrud-Kirche nach Lübeck kamen, habe ich mich als erstes nach der Musikhochschule erkundigt und mit Freuden festgestellt, dass sie ganz nahe zu unserem Haus lag - nur durch den Stadtpark und die Travemünder Allee getrennt, am Jerusalemsberg.

Ich bin als Pastorentochter aufgewachsen und mit Musik groß geworden. Sehr früh begann ich, Geige zu spielen und sang im Kinderchor, im Jugendchor und mehreren Kantoreien. Mit 16 Jahren begann ich in Düsseldorf ein Geigen- und später Bratschenstudium. Ich hatte das Glück, immer gute Förderer  und Lehrer zu haben und in teils hervorragenden Ensembles  und Chören spielen und singen zu dürfen. In Lübeck machte ich dann die Aufnahmeprüfung für das Kirchenmusik- und Bratschenstudium. Die Gemeinde stellte mich sozusagen als Pastorenfrau frei und brachte viel Verständnis dafür auf, dass ich nicht so präsent war, wie sie es von meiner Vorgängerin, Frau Scheunemann kannte.

Aber nach meinem B-Examen stürzte ich mich mit Haut und Haaren in die Gemeindearbeit. Ich arbeitete in allen Gruppen und Kreisen mit und habe mich vor allem viele Jahre im Kindergottesdienst und in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Dazu musste ich das Gitarrenspiel erlernen. Unvergessen sind mir die vielen Freizeiten, die wir mit den Kindern und Jugendlichen auf der Bäk und in Mölln durchgeführt haben und auch der Kindergottesdienst, zu dem in den 80er Jahren oft über 100 Kinder kamen. Später, als mein Mann den Posaunenchor gründete, begann ich auf der Trompete, der Posaune und dem Tenorhorn zu spielen. Heute blase ich in unserem Posaunenchor ein Euphonium. Das Geigen- und Bratschenspiel konnte ich wegen meiner gemeindlichen Aktivitäten nicht fortsetzten. Diese Instrumente ruhten 2 Jahrzehnte in ihren Koffern.

Erst in der letzten Zeit, angesichts der Tatsache, dass mein Mann bald in den Ruhestand treten wird, habe ich mich aus einigen Bereichen der Gemeindearbeit zurückgezogen, um wieder mehr meinen musikalischen Möglichkeiten nachgehen und um meine Aktivitäten  in der Blindenarbeit steigern zu können. Da liegen mir besonders die Lübecker Cassetten-Nachrichten, das Akkordeonspiel mit meiner blinden Freundin und das Tandemfahren als Piloten im Christlichen Blindendienst, aber auch im Blindenverein Schleswig-Holstein am Herzen. 

1979 übernahm ich den von meinem Mann gegründeten Altensingkreis, gründete den  Müttersingkreis und erfand immer neue Formationen, mit denen musiziert werden konnte. Das Bratschenspiel ließ ich erst einmal ruhen. Einen Eindruck vom musikalischen "Treiben" in St. Gertrud vermitteln die beiden Schallplatten, die wir 1982 und 1984 aufgenommen haben (siehe Inhaltsverzeichnis am Schluss). Der Reinerlös aus ihrem Verkauf ging bei der ersten Schallplatte an das Haus Eben Ezer in Hongkong, das von der Hildesheimer Blindenmission getragen wird, der aus der zweiten Platte kam der Kindernothilfe zugute. Später habe ich noch 2 Cassetten, eine mit Liedern aus "Jesu Name", die andere mit Weihnachtsliedern besungen, auf denen mich mein Mann mit  Klavier und Keyboard begleitet. Mit dem Reinerlös aus dem Verkauf dieser Musik-Cassetten unterstützten wir die Arbeit des Christlichen Blindendienstes.

Aus dem "Altensingkreis"  wurde bald der "Gemeindechor" und die Literatur  von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Der Chor probt mit großer Intensität und Begeisterung. Es kommen immer neue Sänger und Sängerinnen hinzu. Die Proben sind sehr gut besucht, so dass wir unsere wichtigste Aufgabe, einmal im Monat im Gottesdienst zu singen, immer erfüllen konnten. Wir bereiten vier dem Thema des Sonntags entsprechende Stücke vor: Psalmvertonungen, Motetten, Evangeliensprüche etc. Ein "Schmankerl" ist fast immer dabei, sehr zur Freude der Gemeinde.

Auch die Geselligkeit kommt bei uns natürlich nicht zu kurz. Sommerfest und Weihnachtsfeier sind obligatorisch.  Dazu kommen Feste zu besonderen Anlässen, Geburtstagen und Jubiläen der Chormitglieder,  mit leckerem Essen und gehaltvollen Getränken. Diese Feste stärken die Gemeinschaft und lassen uns zu einer großen Familie werden.

Nun leite ich diesen Chor 23 Jahre lang.  Es hat mir immer große Freude gemacht. Ich habe dem Chor oft sehr viel abverlangt und kann mich nur von Herzen bedanken, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat, dass die Leistung, die ich ihm zugetraut habe, auch erreicht werden kann.

Wir haben aber auch das Glück, dass unsere gottesdienstliche Gemeinde die Leistung des Chores immer wieder würdigt, obwohl wir natürlich  "Soli Deo Gloria" singen.

Neben dem Chor leite ich auch den Singkreis, der einmal im Monat im Gottesdienst singt. Mein Mann begleitet uns auf der Gitarre. Wir setzen mit diesem Singkreis die Tradition der St. Gertrud-Gemeinde fort und singen fast ausschließlich evangelikales Liedgut. Der Singkreis ist entstanden aus dem Müttersingkreis und ist ein reiner Frauenchor. Wir singen 1-3stimmig und haben eine eigene "Fangemeinde", die dieser Art des Singens besonders zugetan ist.

Besonders gerne musiziere ich mit Günther Pods, unserem jetzigen Organisten. Ich habe bei ihm Chorleitung an der Musikhochschule hier in Lübeck studiert und freue mich sehr, dass wir nun schon seit 15 Jahren zusammen in unserer St. Gertrud-Kirche Musik machen können. Er setzt mich ein im Duett, Terzett und Quartett, und oft  begleitet er mich mit der Orgel, wenn ich  im Gottesdienst Bratsche oder manchmal auch Geige spiele. Er war es auch, der mich - mit meinem Mann -  dazu ermutigte, meine Bratsche nach 20 Jahren Ruhezeit wieder hervorzuholen. Nun  kann ich wieder tagaus - tagein Musik machen! Auch die Unterhaltungsmusik ist dazugekommen - ich habe noch das Akkordeonspiel gelernt und spiele - erst im "Doppelduo" - nun im Duo mit Anneliese Tiede auf manchem Fest, auch außerhalb unserer Gemeinde, und bei den Nachmittagen des christlichen Blindendienstes, auf. Wir haben ein fast 3-stündiges Repertoire von Seemanns- Wander- Volks- Stimmungsliedern und Schlagern und freuen uns, wenn mitgesungen, geschunkelt und getanzt wird.

Nun geht unsere Zeit an St. Gertrud leider dem Ende entgegen. Die Musik und die vielen Freunde, die ich durch sie hier gefunden habe, bleiben mir ja erhalten - alles andere geht in andere Hände über. Es ist gut, die Gemeinde in Gottes Hand zu wissen. Sein Plan steht schon fest, und ich bin dankbar, dass ich für einige Zeit Sein Werkzeug sein durfte mit den Gaben, die Er mir geschenkt hat.

 

SCHALLPLATTE: GROSSER GOTT, WIR LOBEN DICH

aufgenommen am 20. und 21. März 1982

1. Posaunenchor: Großer Gott, wir loben dich / 2. Jugendbibelkreis: Singt dem Herrn und lobt seinen Namen / 3. Singkreis: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend / 4. Altensingkreis: Fürchte dich nicht, denn du bist mein / 5. Posaunenchor: Ich bin durch die Welt gegangen /  6. Altensingkreis: Näher, mein Gott zu dir / 7. Gitarrenkreis: Dir fehlt wohl noch der Friede / 8. Altensingkreis: So nimm denn meine Hände / 9. Jugendbibelkreis: Wie groß ist mein Gott / 10. Altensingkreis: Schönster Herr Jesu / 11. Kindergottesdienst und Jungschar: Horch, dein Heiland läßt dich laden / 12. Posaunenchor: Horch, dein Heiland... / 13. Altensingkreis: Herr, weil mich festhält deine starke Hand / 14. Flötenchor: Sei Lob und Ehr dem Höchsten Gut / 15. Gesangsterzett: Herr, du hast uns gerufen / 16. Mütterkreis: Herr, du willst heute, Herr du willst morgen / 17. Bläserkreis: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren / 18. Altensingkreis: Der Herr, mein Hirte führet mich / 19. Jugendbibelkreis: Herr, wir stehen Hand in Hand / 20. Kindergottesdienst und Jungschar: Gott ist die Liebe, läßt mich erlösen 21. Posaunenchor: Lob, Ehr und Preis sei Gott

Leitung des Altensingkreises, Singkreises, Müttersingkreises und Bläserkreises: Hilla Krüger
Leitung des Jugendbibelkreises ( mit Gitarren), Posaunenchores, Gitarrenkreises, Kindergottesdienstes und der Jungschar: Hans-Dieter Krüger / Gesangsterzett: Maike Aumann, Hilla Krüger und Hans- Dieter Krüger /An der Orgel und Leitung des Flötenchores: Susanne Nagel

 

SCHALLPLATTE:  LOBE DEN HERREN, DEN MÄCHTIGEN KÖNIG DER EHREN

aufgenommen im März 1984

1. Orgelvorspiel zu " Lobe den Herren" / 2. Gemeindechor: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren / 3. Jugendbibelkreis: Hell strahlt die Sonne / 4. Kindergottesdienst und Flötenchor: Lobet den Herren, alle die ihn ehren / 5. Posaunenchor: Danke, für diesen guten Morgen / 6. Gesangsquartett: Groß ist dein Name, Herr, wir loben dich / 7. Gemeindechor: Stern, auf den ich schaue / 8. Müttersingkreis: Befiehl du deine Wege / 9. Flötenchor: Ihn, ihn lass tun und walten / 10. Kleiner Chor: Treuer Hirte, komm und hilf uns /11. Gemeindechor: Ich steh in meines Herren Hand / 12. Müttersingkreis: Nimmst du mich noch einmal an /13. Gemeinde und Flötenchor: Laß mich dein sein und bleiben / 14. Gemeindechor: Großer Gott, wir loben dich / 15. Kindergottesdienst: Sing mit mir ein Halleluja / 16. Gemeindechor: Weiß ich den Weg auch nicht / 17. Gesangsquartett: Danke, mein Vater, für alles, was du schenkst / 18. Müttersingkreis: Hört den großen starken Namen / 19. Posaunenchor: Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer /20. Flötengruppe und Chor: Du, meine Seele, singe / 21. Müttersingkreis: In dir ist Freude / 22. Kleiner Chor: Ich bin schwach, doch du bist stark  / 23. Gemeindechor: Ich bete an die macht der Liebe / 24. Posaunenchor: Welch ein Freund ist unser Jesus / 25. Gesangsquartett: Ich sage "Ja" zu dir /26. Gemeindechor: Gloria sei dir gesungen / 27. Glockengeläut der St. Gertrud-Kirche

Auch bei dieser Aufnahme hatten Hilla und Hans-Dieter Krüger die Leitung.

"Insider" ersehen aus den Titeln, daß wir vorwiegend die Tradition der St. Gertrud-Gemeinde fortgesetzt und aus dem großen Reichtum des evangelikalen Liedgutes geschöpft haben, vornehmlich aus " Jesu Name", durch einige Bach-Sätze bereichert.