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Tandem Club  St. Gertrud   auf Schleswig-Holstein Tour

 

Der „Tandem Club St. Gertrud“ als Teil der Betreuung der Blinden und Sehbehinderten im CBD (Christlicher Blindendienst) konnte auch in diesem Jahr wieder an der „Blinden-Tandemfreizeit des Verbandes Schleswig-Holstein (BSVSH) teilnehmen.   Dieses Jahr war Stützpunkt, die Jugendherberge in Flensburg.

 

Bettina Wagner  war die Organisationsleiterin und hatte mit Hilfe des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club)  Landesverband Schleswig-Holstein drei schöne Touren ausarbeiten lassen, die von Christi Himmelfahrt (Vatertag) an, fleißig abgeradelt wurden.  Von den 10 teilnehmenden Tandems kamen zwei  Einheiten vom  Tandem Club St. Gertrud und trotz unzulänglicher Übungsfahrten im Vorfelde (von einer Besatzung) wurden die  langen Fahrten gut absolviert.

Die erste Fahrt ging über die dänische Grenze nach Südtondern und war gleich 52,6 km lang – das zeigte der Tacho und man spürte es auch am Gesäß und beim Abendessen waren Petra Pruy und ich  fast soweit zu überlegen, ob man die Touren des nächsten Tages auch schaffen würde. Für Bernd Schinck und seine Pilotin Heike stellte sich diese Frage nicht, denn die Beiden hatten bereits einen Teil der Anfahrt am Vortage per Tandem absolviert.  Im Auto-Anhänger  hatten wir neben unserem Tandem auch den Koffer für Bernd Schinck mitgenommen, denn das wäre bei seiner Tandem-Etappe ziemlich hinderlich gewesen.  D nächste Ausflug über den Eulenpark in Tarp und den Sankelsmarker See klang doch so interessant, dass wir alle um  9uhr 30 nach dem Frühstück startklar waren und auch diesen Ausflug – er war nur 50,7 km lang genossen. Eine Sonderprüfung war noch ein bei Sturm über einen Weg gestürzter Baum, der im

 

unwegigen Wald umrundet werden musste. Dazu wurden die Tandems von den Piloten durch den Wald geschleppt und den Sehbehinderten dann ein Weg gezeigt, wie auch sie an dem Baum vorbeikommen konnten – die Schwierigkeit meisterte die Gruppe mit Bravour. Die Teilnehmer der gleichzeitig stattfindenden Rum-Regatta – ein großes Segelevent in Flensburg streiften wir nur am Rande, wenn wir uns am hintersten Eck im Flensburger Hafen von unseren lokalen Führern, Wolf-Dietrich und Friejof trennten  und  zu unserer Unterkunft nahe dem ehemaligen Stützpunkt der Bundesmarine in Flensburg-Sontwik, jetzt Segelmarina mit Ferienwohnungen und Luxus-Apartments zurückfuhren. Samstag Abend wurde dann im lauschigen Garten der Jugendherberge gegrillt und noch bis nach Mitternacht gefeiert, denn schließlich hatte Petra Pruy da Geburtstag und alle wollten ihr gratulieren.  Na und zum Ausruhen gab es ja noch viel Gelegenheit nach glücklicher Rückkehr nach St. Gertrud wo Tandems und Hänger wieder verstaut wurden  und nun auf ihren nächsten Einsatz warten – hoffentlich bald.

Bericht:   Oswald Becker

Bericht von Gudrun Lang über die Lübecker Cassetten-Nachrichten.

 "Es steht wirklich nichts besonderes in den Lübecker Nachrichten. Wenn Du die dicken Überschriften mit Hilfe Deines Lesegerätes entziffert hast, so bist du eigentlich schon umfassend informiert über das, was sich in Lübeck ereignet hat." So oder ähnlich lautete stets die Antwort meines Mannes auf meine Bitte, mir Ausschnitte aus der Zeitung vorzulesen. Da mein Mann Wochenendpendler war, verspürte er verständlicherweise wenig Lust, in die ohnehin kurz bemessene Freizeit am Wochenende auch noch die Lübecker Nachrichten der vergangenen Woche durchzuarbeiten. So bestellten wir dann zum nächst möglichen Termin die LN ab.

Meine Informationen zum Weltgeschehen bekam und bekomme ich ja aus dem Hörfunk. Blindenspezifische Belange behandeln diverse Publikationen, die vom Deutschen Blinden- und Sehbehinderten Verein und seinen Untergliederungen erstellt werden. Diese Zeitschriften werden in drei Formen herausgegeben: In Punktschrift, Großschrift oder sehr viel häufiger auf Cassette - also zum Hören. Durch sie erfahren wir Blinden und Sehbehinderten wirklich alles für unseren Personenkreis Relevantes. Außerdem kann ich auch fernsehen hören und mich somit über alles auf dem Laufenden halten. Ja, Fernsehen, da gibt es doch auch im Dritten Programm das Schleswig-Holstein-Magazin mit seinen Berichten aus der Region. Insgesamt gesehen müssten diese Medien ausreichen, die Neugier und den Wissensdurst von Nichtlesern zu befriedigen.

Für etwa vier Wochen gab ich mich auch mit diesem Angebot zufrieden. Aber nun hatte ich nicht einmal mehr die Informationen durch die dicken Zeitungsüberschriften. Ich wusste nicht mehr, was in Lübeck geschah. Was tat sich im Rathaus, welchen Verkehrsänderungen, Baumaßnahmen, Veränderungen oder Neuerungen waren im Nahverkehr geplant usw. Ja, selbst wenn Betrüger, Einbrecher oder andere nicht immer ehrliche Mitbürger ihr Unwesen in Lübeck triefen, blieb mir verborgen. Wir stellten also sehr schnell fest, dass auf den Lokalteil einer Tageszeitung nicht verzichtet werden kann und abonnierten die Lübecker Nachrichten erneut.

Ich versuchte wieder mit Hilfe meines Lesegerätes die Zeitung zu entziffern. Aber wiederum vergeblich. Der Zeitungsdruck ist nach wie vor auch für moderne Lesegeräte zu entziffern. So benötigen bis heute sehgeschädigte Menschen für das Zeitungslesen einen Vorleser. Bei mir hat diese Aufgabe dann letztlich doch mein Mann übernommen. 

Fortan aber beschäftigte mich die Frage: Wie kann ich anderen - vor allem allein lebenden Blinden helfen, damit auch sie Informationen darüber bekommen, was sich in ihrem unmittelbaren Umfeld ereignet. Die wichtigste Informationsquelle eines jeden Sehenden - die Tageszeitung - bleibt ihnen verschlossen. Über die Aktion "Tonbandzeitung" hatte ich erfahren, dass bereits in einigen wenigen deutschen Großstädten Lokalnachrichten aus den Tageszeitungen aufgelesen wurden.

So nahm in Anfang Februar 1994 Kontakt zu den Lübecker Nachrichten auf und bat um die Genehmigung, auch in Lübeck die Lokalnachrichten ihrer Zeitung auf Cassette auflesen zu lassen. Diese Zustimmung wurde sofort von den LN erteilt. Die Verantwortlichen boten sogar an, mir bei der Suche nach geeigneten Lesern behilflich zu sein. Zuerst aber musste ich das Raumproblem lösen, denn mir war durchaus bewusst, dass man für das Auflesen einen ruhigen Raum benötigte, der auch dauerhaft zur Verfügung stehen musste.

Da ich zu dieser Zeit die Bezirksgruppe Lübeck im Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein leitete, erhoffte ich mir Hilfe von unserem Landesverband. Leider stand der damalige Landesvorstand meinem Plan sehr ablehnend gegenüber und riet mir, das Vorhaben fallen zu lassen. Es würde generell kein Bedarf an einer Cassetten-Zeitung bestehen und die Abonnenten würden ausbleiben. So schnell wollte ich mich jedoch nicht entmutigen lassen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Lübecker Blinden wirklich desinteressiert an dem Geschen in ihrer Heimatstadt sein sollten. Auch der Hinweis auf die damals noch abrufbare, aber sehr dürftigen Angaben der Telefonnachrichten, überzeugte mich nicht. Als Leiterin der Gruppe nutzt e ich meinen Kontakt zu den Mitglieder und betrieb "Marktforschung". Es gab für mich danach gar keinen Zweifel: Hier war eine Marklücke, die dringend geschlossen werden musste. Aber wie und wo finde ich einen geeigneten Raum?

Diese Frage beschäftigte mich nur eine Nacht. Dann kam mir die Erkenntnis: Hier kann nur einer helfen: Herr Pastor Krüger als Leiter des Christlichen Blinden Dienstes. Anfang März 1994 trug ich ihm und seiner Frau meinen Plan vor, berichtete von den Vorarbeiten und bat um Hilfe bei der Raumsuche. Nach kurzem Überlegen rief Pastor Krüger erfreut: "Das ist eine sinnvolle Aufgabe für uns. Wir, der Christliche Blindendienst und die Bezirksgruppe Lübeck werden einen Plan gemeinsam mit unserer St. Gertrud-Gemeinde umsetzen. Ich war überwältigt von der Begeisterung unseres Pastors und seine Frau. Meine Bitte galt doch nur der Lösung des Raumproblems. Aber nun hatte ich Menschen gefunden, die, obwohl nicht selbst betroffen, so großes Verständnis für die Bedürfnisse blinden Menschen aufbringen.

Von der Stunde an übernahm Pastor Krüger die Organisation der Lübecker Cassetten-Nachrichten und warb sofort in der Gemeinde um Leser und Helfer. Bereits am 28. März 1994 berief er das erste Treffen mit den Mitwirkenden an der Erstellung einer Cassetten-Zeitung der Lübecker Nachrichten in den Gemeindesaal ein. Dazu war auch der damalige Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein geladen. An diesem Abend wurden alle und bis dahin bekannten organisatorischen Einzelheiten besprochen, und die Lübecker Cassetten-Nachrichten waren aus der Taufe gehoben.

Am Montag, dem 9. Mai 1994, wurde die erste Ausgabe der LCN con Schwester Margret Stender und Frau Ingrid Westphal aufgelesen und an etwa 40 Abonnenten versand. Seit dem Tag trifft sich an jedem Montag im Bonnussaal der St. Gertrud-Kirche ein Kreis von Damen und Herren, um unserer LCN zu erstellen. Pünktlich um 8,30 Uhr beginnen wir mit dem Auflesen. 15 Minuten Lesezeit sind für jeden Tag eingeplant. Jeweils 2 Leserinnen oder Leser teilen sich die 6 Ausgaben der LN wie folgt: Eine Dame oder Herr liest den Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, der Partner nimmt den Mittwoch, Freitag und Sonntag. So werden im Wechsel die Nachrichten aus dem Lokalteil der Lübecker Nachrichten der vergangenen Woche unseren Hörern aufgelesen. Das bedeutet nach 15 Minuten eine Pause und Entspannung der Leser und für den Hörer eine Abwechslung in der Leserstimme. Von einer dritten Person wird das Aufnahmegerät bedient.

Während des Auflesens der Zeitungsartikel kümmert sich ein weiteres Mitglied des LCN-Teams um alle Arbeiten des Vertriebs: Abholung der zurückgesandten Posttaschen mit den Cassetten, optische Kontrolle dieser Cassetten, An-, Ab- oder Ummeldungen sowie Prüfung des Rücklaufs.

Nach dem Auflesen der Nachrichten fertigt eine weitere Helferin von dem besprochnen Mutterband Kopien für unsere Abonnenten an. Die Zahl unserer Hörer ist inzwischen auf 170 angewachsen. Unser Vorleserkreis besteht aus etwa 40 Personen. 6 Kopiergeräte mit 23 Kopierplätzen lassen das Vervielfältigen - so die Technik es will - sehr zügig vorangehen. Die fertigen Cassetten werden von den Helfern in gelbe Verstandtaschen gesteckt und bis zum Mittag zum nächsten Postamt gebracht, um eine Zustellung der LCN am nächsten Tag bei der Hörern zu gewährleisten.

Von vielen unserer Hörer wissen wir, dass sie am Dienstag diese Cassetten sehnsüchtig erarten. Die Blindensendung wird von der Post kostenlos befordert. Wenn der Empfänger die Nachricht abgehört hat, dreht er das Adressenschild auf der Versandtasche um, so dass der Name des Absenders erscheint. Die Cassette  wird wieder an uns zurückgeschickt und kann am nächsten Montag erneut besprochen werden.

Abschließend möchte ich sagen: Wir - das gesamte Helferteam der Lübecker Cassetten-Nachrichten sowie alle Vorleser - verrichten nach nunmehr 8 Jahren die Arbeit immer noch mit der gleichen Freude und dem gleichen Elan wie zu Beginn der Aktion und tun diesen Dienst selbstverständlich ohne Entgelt. Wir freuen uns jeden Montag auf die Erstellung der neuen Ausgabe der LCN. Und auch unserer Hörer erwarten ungeduldig ihre "Dienstagszeitung" und hoffen auf ein Wiederhören mit ihrem Lieblingsleser. Ganz besonders glücklich sind unserer Abonnenten, wenn sie ihren Lieblinsinterpreten einmal persönlich bei einer Veranstaltung in unserer Gemeinde sprechen können. Inzwischen sind die Hörer und das LCN-Team schon zu einer richtigen LCN-Familie" zusammengewachsen.

 

Die Tandegruppe unterwegs

Tandem-Sternfahrt in Berlin 2012. Das war ein besonderes Erlebnis. Über hundert Tandems am Start, ein riesen Fest im Tempodrom und rundherum über mehrere Tage, und wir waren dabei! 

Am Tag der Begegnung 2016 wurde der Gemeinde St. Gertrud von Diakon Reiner Nissen aus seinem Privatbesitz die Statue von Otto Flath: "Himmelfahrt des Elia" geschenkt. Bei den Blinden fand sie reges Interesse.

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© Erik Asmussen